Man kann der Meinung sein, dass jede Möglichkeit, den Konsum von Alkohol einzudämmen, gut ist. Man kann sich aber auch fragen, ob dem Alkoholproblem mit neuen Vorschriften, die nur „ Schönheitsreparaturen“ sind, zu Leibe rücken kann.
Wohl jeder, der öffentliche Verkehrsmittel benutzt, ist dort schon einmal mit alkoholisierten Menschen konfrontiert worden: grölende Fußballfans, stumpf vor sich hin trinkende Arbeiter nach der Schicht, übel riechende Mitmenschen, die Flaschen oder Dosen schwenkend lallend ein Gespräch suchen. Sie alle sollen nun aus den Abteilen verschwinden. So weit, so gut.
Nur hat man z. B. in Stuttgart bereits seit Januar 09 diese neue Regelung, dass kein Alkohol an Bahnhofskiosken usw. verkauft werden darf und das Trinken von Alkohol in den öffentlichen Verkehrsmitteln verboten ist. Der Erfolg war eher bescheiden: Jugendliche schütteten harten Alkohol in Saftflaschen, Trinker hatten ihren Flachmann dabei.
Zudem gibt es das Problem der Kontrolle. Jedes Verbot ist nur so wirksam wie es möglich ist, seine Einhaltung durchzusetzen. Wie soll das aber aussehen? Sollen in Bussen und Bahnen nun nicht nur die Fahrkarten, sondern auch die Taschen kontrolliert werden?
Und was geschieht, wenn ein bereits alkoholisierter Mensch beim Übertraten des Verbotes erwischt wird? Sind da nicht Konflikte und Randale vorprogrammiert?
Es ist ein wenig so, als würde man das Urinieren in Bus und Bahnen verbieten. Die Meisten Menschen würden das ohnehin nie tun, wenn sie klar bei Verstand sind.
Und da liegt das Problem: Einem ohnehin stark alkoholisierten Menschen ist es wichtiger, weiter zu Alkohol zu kommen als würdevoll zu erscheinen. In diesem Moment ist ihm seine Gesundheit, sogar sein Leben oft gleichgültig. Wie soll er in der Lage sein, dieses Verbot zu beachten?! Er ist krank und in diesen Zustand nicht berechenbar, nicht einmal für sich selbst.
Die Lösung des Alkoholproblems muss von anderen Seiten erfolgen. Man könnte doch schon mal damit anfangen, dass man die Werbung dafür verbietet.
Aber solange ein Till Schweiger oder Boris Becker noch immer für viel Geld im Fernsehen zeigen dürfen, wie gut ihnen das Bier schmeckt, wird ein Verbot des Konsums von Alkohol in Bus und Bahn nichts ändern.
malin
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