Dienstag, den 05. Mai 2009 um 07:45 Uhr

Alkohol in der Lindenstraße

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Nun hat auch die „Lindenstraße" das Thema Alkoholismus entdeckt: Hans Beimer trinkt!

Eigentlich müsste man allerdings sagen „wiederentdeckt", denn Zuschauer, die die Serie von Anfang an verfolgt haben, erinnern sich auch an andere Figuren, die ein Alkoholproblem hatten, z.B. Dr. Dressler und auch Tanjas Vater.

Ja , und dann geistert auch schon lange Harry Rowohlt als „Penner" durch die Lindenstraße, bei dem das Trinken allerdings kein Problem zu sein scheint, sondern dessen Zustand trotz jahrelangen Schnorrens von „Bierchen" sich nicht verschlechtert.


So gut es ist, dass sich in der populären Unterhaltung des Themas angenommen wird, so sorglos wird - durchaus als Spiegel des wirklichen Lebens - ansonsten in den Folgen mit Alkohol umgegangen: Jedes Treffen im Frisiersalon wird mit einem „Sektchen" begangen, die männlichen Bewohner treffen sich am Stammtisch und beim Griechen Sarikakis wird auch schon Mal am hellen Mittag Wein geordert.
Gut, die Lindenstraße ist kein Gesundheitsmagazin, aber gerade der große Zuspruch der Zuschauer beinhaltet die Gefahr, dass Fehler, die sich einschleichen, weit reichende Auswirkungen haben. So fällt mir auf, dass der Alkoholismus als Folge von Problemen dargestellt wird ( Hans Beimers Frau ist im Gefängnis), dabei reicht bei entsprechender Disposition der ganz gewöhnliche tägliche Umgang damit, um aus Alkohol ein Problem zu machen.

Es ist auch wenig realistisch, wenn das Problem Alkohol - einmal erkannt und bekämpft - sofort besiegt wird. Oder haben Sie bemerkt, dass Dr. Dressler in der letzten Zeit darum kämpft, nicht rückfällig zu werden?

Es ist gut, dass Sendungen, die viele Menschen erreichen, die sich keine wissenschaftlichen Filme ansehen würden, dieses Thema nicht aussparen, aber viel wichtiger wäre es, endlich die Alkohol Werbung ganz zu verbieten und Alkohol, viel stärker als bisher, nur noch schwer zugänglich in Läden anzubieten: Nicht nur Hochprozentiges gehört unter Verschluss, sondern auch Bier, Wein und Alkopops.

Es wäre sogar zu überlegen, ob dem Lieferservice von Speisen nicht untersagt werden sollte, auch Alkohol ins Haus zu bringen. Menschen, die in keiner Kneipe mehr ein Glas Alkohol bekommen würden, weil sie kaum noch stehen können, können beim Pizzaservice ohne Probleme eine Flasche Wein ordern.

Das wäre ein Anfang, um die Meldungen von Unfällen, Gewalttaten und Vernachlässigung von Kindern unter Einfluss von Alkohol weniger werden zu lassen.
Zuletzt geändert am: Mittwoch, den 18. November 2009 um 05:10 Uhr

1 Kommentar

  • Kommentar Link Kontrabass Mittwoch, den 04. November 2009 um 10:11 Uhr Gepostet von Kontrabass

    Ich wohne zwar an der Lindenstrasse, die Sendung habe ich aber aus Zeitgründen noch nie gesehen. Dagegen sehe ich aus diesen Beiträgen, was auch meiner sonstigen Erfahrung entspricht, dass sich die Medien um das Alkoholproblem nicht wirklich kümmern, es geht nur um Einschaltquoten. Dazu überwiegen die alkoholfreundlichen Sendungen gegenüber den kritischen bei weitem. Dafür sorgt die Alkoholindustrie zusammen mit der Werbebranche. Mehr dazu auf www.alkoholpolitik.ch.

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