In einer Gesellschaft, wo jede Freude in Radio und Fernsehen nur dann zählt, wenn man schreit und jubelt, wo „ Gänsehaut pur“ der Begriff ist, mit dem man jedes noch so minimale positive Gefühl beschreibt, ist es schwer, zuzugeben, dass man die öffentlich verordnete Euphorie nicht immer teilen kann. Noch dazu als Leistungssportler. Wo doch jeder weiß, dass genügend Bewegung und frische Luft jede Depression vertreibt...
Es ist heute nicht mehr – wie noch vor dreißig, vierzig Jahren – ein Tabu, Depressionen zu haben. Es wird durchaus in Zeitschriften öffentlich gemacht, dass die Anzahl der Depressiven ständig steigt, dass die Depression die Krankheit des 21. Jahrhunderts ist.
Nur: man sollte nicht zeigen, dass man daran erkrankt ist!
Es ist pervers: Solange jemand fröhlich lächelnd und funktionstüchtig zugibt, er habe Depressionen, ist alles ok. Er soll dann seine Pillen nehmen, zum Psychiater gehen und gut,
Aber wehe, er kann seine Aufgaben im Beruf und im täglichen Leben nicht mehr zu aller Zufriedenheit erfüllen! Dann wird er komisch von der Seite angesehen, gilt als schwierig, macht Umstände.
Robert Enke hat dem Druck nicht mehr Stand gehalten Er wusste, dass die Veröffentlichung seiner Krankheit oder gar ein längerer Klinikaufenthalt das Aus für seine Fußballkarriere bedeutet hätte. War sie doch etwas, was ihm – auch nachdem tragischen Tod seiner Tochter – noch scheinbar Halt gab.
Menschen stehen vor einem Meer von Kerzen und weinen. Warum geht ihnen dieser Tod besonders nahe? Sicher hatte Robert Enke besondere sportliche und vor allem menschliche Qualität. Vielleicht können sich aber auch viele Menschen in die Situation hineinversetzen, irgendeine Schwäche, einen Makel so gut es geht verbergen zu müssen. Vielleicht weinen alle auch ein wenig um sich selbst.
Es gibt angeblich nur noch wenige Tabus in unserer Gesellschaft. Enke hat mit seinem Tod eines aufgedeckt.
Wann bringt sich der erste bekannte schwule Fußballspieler um?...
malin
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