Alkoholwerbung in Deutschland verbieten

Alkoholwerbung in Deutschland verbieten

Die Früchte an den Bäumen sind überreif, die natürliche alkoholische Gärung in ihnen hat eingesetzt und Paviane, Elefanten und Wasserbüffel fressen sich einen fürchterlichen Rausch an. Auch der Mensch hat schon in seiner Frühgeschichte entdeckt, dass einige vergorene Pflanzensäfte eine berauschende Wirkung haben.

Ein Alkoholproblem ist daraus allerdings erst erwachsen, als der Erfindungsreichtum des Menschen es im Mittelalter geschafft hatte, das Suchtmittel mithilfe des Destillationsapparates in konzentrierter Form herzustellen, was anfangs zu vielen Toten und Alkoholkranken führte. Einen weiteren Sieg errang der Alkohol mit dem Einsetzen der Industrialisierung und der Massenverelendung, die zu einem sprunghaften Anstieg des Alkoholkonsums führte.

In der dritten großen Alkoholwelle schwimmen wir zurzeit. Alkohol ist nach dem Wirtschaftswunder billig geworden und einfach zu beschaffen. Er wird nicht nur einmal im Jahr, sondern von sehr vielen an jedem Wochenende und von ­einigen an jedem Tag getrunken. Mit der bei einigen jungen Menschen eingezogenen Unsitte des Komasaufens hat diese Welle einen neuen Höhepunkt erreicht.

Damit das so bleibt, gibt die Alkohollobby ständig viel Geld für Werbung und Imagepflege aus. Die Folgen kennt jeder, der nicht mit geschlossenen Augen durch die Welt geht. 70.000 Tote waren es allein 2010 in Deutschland, die den direkten und indirekten Folgen des Alkoholkonsums zuzuschreiben sind. Die entsprechende Meldung fand sich als kurzer Artikel auf der letzten Seite der Tageszeitung, versteckt und fast unsichtbar hinter den Berichten über die Hochzeitsvorbereitungen zweier britischer Staatsbürger. 70.000 Menschen, von Rädern überrollt, die Innereien zu Brei zerquetscht oder an multiplem Organversagen elend krepiert, stehen im öffentlichen Interesse hinter der Menüfolge eines Hochzeitsessens.

Wer trinkt, so die allgemeine Meinung, ist schließlich selber schuld. Zwingt ihn ja keiner. Verdrängt wird dabei, dass Alkohol nichts anderes als eine Droge ist. Die Droge verursacht Bewusstseinsveränderungen, die gewünscht sind, und eine fatale und kaum besiegbare Abhängigkeit, die in Kauf genommen wird.

Drogen haben einen schlechten Ruf. Deshalb wird auch immer von Alkohol und Drogen gesprochen, fast nie von Alkohol als einer Droge. Denn niemand will sich sagen lassen, er spüle sein Grillwürstchen mit einer Droge hinunter. Denn es ist kaum vorstellbar, dass für eine Droge offensiv Werbung gemacht wird, so wie es beim Alkohol passiert.

Fußball, Formel 1, der „Blockbuster“ im Privatfernsehen, das sind Quotenbringer im deutschen Fernsehen. Dementsprechend teuer sind die Werbeeinblendungen. Was beherrscht die Werbepausen? Wunderschöne Bilder eines Vulkansees in der Eifel, Vogelgezwitscher und der Stolz auf das gute Wasser, das hier zum Bierbrauen benutzt wird.

Ein Pelzhandschuh, der aggressiv einen Eisblock durchschlägt und mit klaren starken Worten ein hochprozentiges Getränk anpreist, das den Namen eines russischen Staatsmannes trägt. Die teuren Werbeblocks werden fast vollständig mit Alkoholwerbung gefüllt. Keine Ausnahme machen Sportler, die sich für „Anti-Drogen-Kampagnen“ zur Verfügung stellen und auf dem ­Platz ein Trikot mit Drogenwerbung tragen.

Erschreckend sichtbar wird der Einfluss der Alkohollobby aber vor allem in der Schleichwerbung. In Talkshows wird Buchautoren eine Plattform geboten, die das Trinken am Wochenende „bis zum Rausch“ als kulturelle Errungenschaft propagieren und für teure Weine wird in Kochshows auch die Bezugsquelle genannt. Die Alkoholwerbung ist allgegenwärtig, von erschreckender pekuniärer Potenz und extrem einflussreich.

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