Flachmänner – eine teure Versuchung

Flachmänner eine teure Versuchung

Ein Erfolg der Marktwirtschaft, denn Preistransparenz und ein großes Angebot nutzen letztlich dem Verbraucher. Der Preiskampf betrifft alle Güter des täglichen und weniger alltäglichen Bedarfs. Auch Spirituosen gibt es jede Woche im Sonderangebot, sodass sich eine Flasche Whiskey der mittleren bis gehobenen Qualität für rund 10 Euro (0,7 Liter, 40 Vol.-% Alkohol) erstehen lässt. Ein deutscher Wodka durchschnittlicher Qualität (0,7 Liter, 38 Vol.-% Alkohol) ist schon für 7 Euro erhältlich und eine Flasche Noname GaBiKo (0,7 Liter, 32 Vol.-% Alkohol) ist für unter 5 Euro zu haben. Natürlich gibt es auch weit teurere Spirituosen wie lang gelagerten Cognac oder Single Malts. Mit den Preisen dieser Edelprodukte kann nur noch eine Gruppe von Spirituosen mithalten. Hierbei handelt es sich um Korn, Wodka und Rum-Verschnitt der untersten Qualitätsstufe, allerdings abgefüllt in kleinen Falschen mit 0,05 Liter bis 0,2 Liter Inhalt, den so genannten Flachmännern.

Marktwirtschaft ?

Die Flachmänner in den Supermärkten und Tankstellen stehen meist in harmonischer Eintracht neben der Quengelware, also den Süßigkeiten im Kassenbereich, die die Kinder zum Quengeln und die Eltern zum Kaufen verführen sollen. Für Flachmänner wird kaum Werbung gemacht. Die Preise variieren in den Läden und Tankstellen stark. Für einen Wodka, den es gleichartig im Regal des Ladens für 8 Euro bei 0,7 Liter Füllvolumen gibt, zahlt der Käufer 4 Euro mit der 0,2 Liter Füllung. Ein Preisunterschied von rund 100 Prozent, der bei Flachmännern nicht unüblich ist, sondern eher schon die untere Grenze darstellt. Ein Aufschlag von 100 Prozent und mehr, obwohl das günstigere Produkt im gleichen Laden zu haben ist? Wie kann das funktionieren? Wer kauft die Flachmänner? Wieso sorgt die Schnäppchenmentalität nicht dafür, dass die völlig überteuerten Flachmänner verschwinden?

Die Dealer

Fragt man die Schnapsindustrie und die Händler (engl. Dealer) in den Geschäftsräumen der Supermärkte, lautet die Antwort: „Weil sie gekauft werden.“. Sicher richtig, aber warum geben Menschen doppelt so viel für ein Produkt aus, dass sie ohne großen Aufwand für die Hälfte erstehen könnten? Weil sie dieses Produkt brauchen, und zwar genau in der Füllmenge, in der es angeboten wird.

Die Käufer

Der Pendler, der morgens dem Drang zu trinken widerstanden hat und der nachmittags um 16 Uhr nachhause fährt, schafft es nach der halben Strecke nur noch mit Mühe, vom dritten in den vierten Gang zu schalten. So paradox es klingt, wenn er jetzt nichts trinkt, bringt er sich und andere Verkehrsteilnehmer in Gefahr. Wenn er aber zu viel trinkt, bringt er seinen Führerschein und damit seinen Job in Gefahr. Ein Flachmann hat die richtige Menge, um ihn bis zur Ankunft ohne Auffälligkeiten durchkommen zu lassen. Also hält er am nächsten Supermarkt oder der nächsten Tankstelle an, um sich einen Flachmann zu beschaffen. Der Preis spielt dabei keine Rolle, wichtig ist der schnelle und unkomplizierte Erhalt der Droge.

Der ältere Herr von gegenüber stand immer schon unter der Fuchtel seiner resoluten Frau. Als er noch arbeitete, hat er seinen Frust gemeinsam mit den Kollegen nach der Schicht ersäuft und abends um 10, wenn die Frau ins Bett ging, die versteckte Flasche Doppelkorn ausgepackt. Jetzt ist er im Ruhestand, was ihm logistische Probleme bereitet. Der Flachmann ist die Lösung für den Rentner, der seinen Spiegel schnell erhöhen muss, aber das Corpus Delicti schnell beseitigen will. Der Preis ist auch hier wieder egal, Hauptsache die Droge steht in der richtigen Menge zur richtigen Zeit zur Verfügung.

Die Lehrerin, die sich in der dritten Stunde mit den pubertierenden Gören aus der 10b herumärgern muss, hat vorgesorgt. Zwei Flachmänner, ordentlich nebeneinandergelegt, beulen die Aktentasche nicht aus und so ein Flachmann lässt sich in der kurzen Pause auf dem Lehrerklo schnell kippen.

Fazit

Der Kauf von Flachmännern ist, nüchtern betrachtet, schlicht irrational. Es ist vollständig unsinnig, einen überteuerten und qualitativ meist minderwertigen Flachmann zu kaufen. Das tut kein Mensch. Zumindest kein gesunder Mensch. Die Käufer von Flachmännern sind nicht gesund, es handelt sich, von wenigen Ausnahmen abgesehen, um kranke Menschen, die den Kauf nicht aus freier Entscheidung tätigen. Die Käufer von Flachmännern sind alkoholkrank. Im Grunde weiß das auch der Dealer im Supermarkt oder in der Tankstelle, aber wie bei jedem Dealer geht es ihm nur um den Verdienst.

Es gibt kaum ein anderes zivilisiertes westliches Land, in dem die Droge Alkohol so einfach zu bekommen ist wie in Deutschland. Die Flachmänner sind die Manifestation dieser Perversion. Flachmänner werden ausschließlich produziert und verkauft, um Alkoholkranken einen schnellen Zugriff zu der Droge zu ermöglichen, natürlich zu stark überhöhten Preisen. Während bei „normalen“ Alkoholika noch die Befriedigung eines gesellschaftlichen Bedürfnisses als Verkaufsargument dient, richten sich Flachmänner bewusst an alkoholkranke Menschen, aus denen Profit geschlagen werden soll. Flachmänner ermöglichen es dem Abhängigen, seinen Status zumindest scheinbar noch für einige Zeit zu verbergen. Flachmänner legen die Hürden für den Kauf von Schnaps extrem tief, Flachmänner werden nebenbei an der Kasse gekauft, so wie das Überraschungsei für das quengelnde Kind. In gewisser Weise sind die überteuerten Flachmänner die logische und marktwirtschaftlich völlig rationale Konsequenz der gesellschaftlichen Akzeptanz der Droge Alkohol.

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