Gefangen im Netz

„…der schonungslose Bericht einer Frau, die sich von ihrer Internetabhängigkeit befreien will.“, heißt es auf dem Klappentext zum Buch „Gefangen im Netz“ der Sardin Patrizia Pitzalis.
Auf den ersten Blick ist diese Beschreibung korrekt, aber bei etwas genauerem Hinsehen wird erkennbar, dass es in dem autobiografischen Roman nur scheinbar um die Internetabhängigkeit geht.
In Wirklichkeit handelt das Buch von der Sucht, von ihrer Entstehung und von dem schweren Weg, ihr zu entkommen. Stoffgebundene Süchte nach Alkohol oder anderen Drogen sind auch dem Nicht-Betroffenen verständlich.
Ein wenig zu viel geschluckt, und schon ist die Sucht da, denkt mancher. Aber das ist nur eine Seite der Sucht. Die Internetsucht von Pitzalis ist nicht stoffgebunden, dennoch erinnern die Mechanismen des Weges in diese Sucht fatal an die Beschreibungen anderer Abhängiger.
Pitzalis ist unzufrieden, mit sich, mit ihrem Mann, mit ihrem Umfeld. Sie sucht Anerkennung, Vertrauen und letztlich Liebe. Einen schnöden Abglanz davon, der zu Anfang noch blendet und begeistert, findet sie im Netz.
Die verlogenen und getunten Teilnehmer in Chats und „sozialen Netzwerken“ lassen ihre Suche zur Sucht werden. Im Internet werden ihre Wünsche zumindest dem Anschein nach befriedigt. Die zunächst etwas unbedarfte Autorin benötigt einige Zeit, bis sie die Fratze hinter den schönen Schein wahrnimmt.
Diesem Schein zu entkommen gestaltet sich so schwierig wie der Entzug von einem Suchtstoff. Internetsucht, Glücksspielsucht, Kaufsucht, aber auch Alkoholsucht haben ihre Ursachen meist nicht im Suchtmittel, sondern in der Unzufriedenheit des Abhängigen. Das wird durch das Buch von Pitzalis deutlich, denn ohne Netz hätte die Frau auf ihrer Suche nach Anerkennung ein anderes Suchtmittel gefunden.
Fazit:Das Buch ist daher nicht nur für Menschen empfehlenswert, die mehr über das Suchtpotenzial des Web 2.0 erfahren möchten. Es ist vielmehr ein Buch über die Sucht und bietet einen Einblick in die Vorgänge bei der Entstehung einer Sucht. Ein lesenswertes Buch, für Interessierte und Betroffene, auch jenseits des Netzes.

Seiten: Broschiert: 104 Seiten

ISBN: 978-3833475887

Autor: Patrizia Pitzalis

Verlag: Books on Demand; Auflage: 1 (1. Juni 2008)

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