Mutmachbuch für Angehörige von Alkoholabhängigen:

Sie kommen oft zu kurz. Die Zahl der Angehörigen, die vom Alkoholismus des Partners betroffen sind, ist höher als die Zahl der Abhängigen.
Dennoch sind die Angehörigen in Selbsthilfegruppen nur als Minderheit vertreten und oftmals nur geduldet. Auch der Begriff der Co-Abhängigkeit ist in der Gesellschaft längst nicht verankert und im Gegensatz zu Alkoholabhängigen stehen Hilfen für Co-Abhängige durch die Versicherungsträger kaum zur Verfügung.
Im „Mutmachbuch“ von Sabine Haberkern kommen sechs Angehörige – fünf Frauen und ein Mann – zu Wort. Ungeschminkt erzählen sie ihre Geschichten, Geschichten vom Leben mit der Krankheit und vom Kampf gegen die Krankheit.
Bei allen Geschichten wird deutlich, dass der Ratschlag „In Liebe fallen lassen“, den Therapeuten den Angehörigen von Alkoholkranken geben, leicht gesagt, aber schwer getan ist.
Die Alkoholkrankheit ist nicht nur mit einem körperlichen Verfall des Abhängigen verbunden. Für Angehörige wesentlich schwerer wiegt die Metamorphose des Charakters, der die Kranken unterliegen.
Die bei einigen auftretenden aggressiven Phasen, die allgemein bekannt sind, sind hier nur die Spitze des Eisbergs. Lügen, Verrat, Selbstmitleid und die absolute Dominanz des Alkohols treffen die Angehörigen weit stärker.
Sie treffen bis tief ins Mark und besonders verletzend erscheint den Angehörigen, dass sie offenbar völlig hilflos sind. Die Geschichten der Angehörigen sind verschieden, aber dennoch ähneln sie sich.
Sie sind teilweise verstörend und mancher Leser wird sich fragen, wie er sich in einer vergleichbaren Situation verhalten hätte.
Die Antwort auf diese Frage kann niemand geben, auch dieses Buch nicht. Aber dieses Buch, das am Ende noch einige praktische Ratschläge bereithält, kann Angehörigen tatsächlich helfen.
Empfehlenswert ist das Buch aber auch für Außenstehende, die dem Leiden von Angehörigen häufig mit Unverständnis gegenüberstehen.
Für (trockene) Abhängige ist das Buch ein Schlag ins Gesicht, ein heilsamer Schlag. Der ein wenig dabei hilft, die Käseglocke der Selbstbespiegelung in der Langzeittherapie zu durchbrechen und durch die Zuckerwatte der Selbsthilfegruppen einen Blick auf die zu kurz gekommenen Angehörigen zu werfen.

Seiten: Broschiert: 102 Seiten

ISBN: 978-3834004864

Autor: Sabine Haberkern

Verlag: Schneider Verlag Hohengehren; Auflage: 1 (Januar 2009)

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