Die letzte Nacht

Datum:
Von
Andre
Alter:
26Jahre
Erfahrungsbericht

Die Art von nächtlicher Odyssee, die ich beschreibe, war nicht die einzige in meinem Leben, aber – so habe ich beschlossen- die letzte dieser Art. Es ist möglich, dass ich aufgrund des damaligen Alkoholpegels nicht alles genau erinnere, aber das ist auch nicht wichtig, denn die Vorkommnisse und Schauplätze sind austauschbar, und sicherlich haben schon viele von euch Ähnliches erlebt.

Es sollte ein ganz normaler gemütlicher Abend werden. Ich kaufte eine Kiste Bier (30 Flaschen) und fuhr mit dem Wohnmobil, in dem ich auch schlafen wollte, zu meinem Freund und dessen Freundin in die Innenstadt Hamburgs. Schnell hatten wir mit drei Personen die Kiste Bier geleert, und mein Freund gab noch ein paar Grappa aus.

Um 23 Uhr wollten meine Freunde dann schlafen gehen, aber für mich war der Abend noch frisch, und statt in meinen VW-Bus begab ich mich in die nächste Eckkneipe, wo ich nach ein paar weiteren Bieren und Wodka/Red Bull eben noch fremde Menschen einlud. Nun war ich erst richtig in Fahrt gekommen, und als die Kneipe schloss, ließ ich mich in einem Taxi (man hat’s ja!) in den übernächsten Stadtteil fahren, um in einem gehobeneren Lokal noch einen Nachttrunk zu nehmen.

So gut war der Club dann wohl auch wieder nicht, denn Mitglieder eines als gewalttätig bekannten Motorradsclubs, mit denen ich bei einigen weiteren alkoholischen Getränken „Freundschaft“ geschlossen hatte, nahmen mich aus. Mir fehlte nun die EC-Karte, mein Ausweis und Bargeld. Hier ist nun die erste Lücke: Ich weiß noch, dass ich wieder mit dem Taxi fuhr, aber nicht mehr, womit ich bezahlte bzw. wie ich den Taxifahrer vertröstete. Jedenfalls fuhr ich per Taxi in meine Firma.

Da ich einen Beruf habe, in dem auch nachts gearbeitet wird, konnte ich so in dieser Nacht auch noch ein paar Kollegen begrüßen … Man könnte denken, dass diese Peinlichkeit ausgereicht hätte, um sich endlich in seinem Bett zu verkriechen, aber nein! Wiederum mit dem Taxi fuhr ich durch die halbe Stadt in die Nähe des Hauses einer Freundin.

Fragt mich nicht, ob ich da schlafen wollte. Ich weiß es nicht mehr. Den Taxifahrer habe ich anscheinend um seinen Lohn geprellt … Inzwischen war es so früh, dass der Feinkostladen an der Ecke, bei dem ich gut bekannt bin, weil ich einmal in dieser Gegend gewohnt habe, bereits geöffnet hatte. Hier bekam ich auf Pump ein paar Zigaretten und ein „erfrischendes“ Getränk.

Dann muss mir plötzlich der Verlust meiner Karte und meines Ausweises bewusst geworden sein, denn nun machte ich mich per Anhalter von der nächsten Kreuzung aus auf den Weg zurück in die Innenstadt, und machte bei einer Polizeiwache Meldung. Inzwischen war auch bei dem oben erwähnten Motorradclub die Nacht weitergegangen, sie hatten eine Schlägerei angefangen, die Polizei hatte eingegriffen und dabei meine Papiere gefunden.

Ich konnte- wiederum mit dem Taxi – von einer anderen Polizeiwache meinen Ausweis und die EC-Karte abholen. Nun konnte ich den Taxifahrer sogar bezahlen … Am späteren Vormittag kam ich wieder bei meinen Freunden an, wo ja noch mein Bus stand. Die Freunde waren inzwischen mit ihrem Hund draußen. Für sie war ja der Abend gegen 23 Uhr zu Ende gewesen.

Dann habe ich wohl endlich ein paar Stunden im Auto geschlafen und weiß noch, dass meine Freunde den Alkoholgestank im Wagen schrecklich fanden, als sie mich weckten. Diese Geschichte mag teilweise lustig klingen, aber für mich war diese Nacht die letzte Nacht mit Alkohol. Und an den Tagen habe ich auch nichts mehr getrunken. Das ist jetzt schon über zwei Jahre her …
André

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